26.02.2026

Lipödem – erkennen, verstehen und richtig behandeln | Plastische Chirurgie Münster

 

 

Ein Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Fettgewebes, die nahezu ausschließlich Frauen betrifft. Charakteristisch ist eine symmetrische Fettverteilungsstörung vor allem an den Beinen und oft auch an den Armen, die sich nur wenig oder gar nicht durch Diät oder sportliche Aktivität reduzieren lässt. Die Symptome werden häufig über Jahre missverstanden oder mit Übergewicht verwechselt, was zu langen Phasen ohne passende Behandlung führt.

Eine frühzeitige und präzise Diagnose ist entscheidend, um langfristige Beschwerden zu vermeiden und geeignete Strategien zu entwickeln. In diesem Artikel erfährst du, woran ein Lipödem erkannt wird, wie es diagnostiziert wird, welche konservativen und operativen Therapien heute zur Verfügung stehen und was sich bei der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ab 2026 geändert hat.

 

Was ist ein Lipödem – und wie entsteht es?

Ein Lipödem ist mehr als „normales Fett“ – es handelt sich um eine recht eigenständige, chronische Fettgewebserkrankung. Typisch sind symmetrische Fettansammlungen, die vor allem an Oberschenkeln, Beinen und teilweise an den Oberarmen auftreten. Diese Fettvermehrung ist häufig mit Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Spannungsgefühlen verbunden und geht meist mit einer erhöhten Neigung zu Blutergüssen einher. Im Gegensatz zu gewöhnlichem Fettgewebe reagiert es kaum auf Diät oder Sport.

Die genauen Ursachen für ein Lipödem sind nicht vollständig geklärt, doch spielen hormonelle Einflüsse, genetische Veranlagung und Veränderungen im Stoffwechsel eine Rolle, weshalb die Erkrankung oft in hormonellen Lebensphasen wie Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause beginnt. Unbehandelt kann sich ein Lipödem im Laufe der Jahre verschlimmern und sich in Form und Beschwerden deutlich ausprägen.

 

Symptome – wie erkenne ich ein Lipödem?

Ein Lipödem kann sich unterschiedlich bemerkbar machen, doch typische Anzeichen sind:

  • Symmetrische Fettansammlungen an Beinen, Oberschenkeln und manchmal Armen
  • Druck‑ und Berührungsschmerzen im betroffenen Gewebe
  • Schwellungsneigung und ein verstärktes Spannungsgefühl im Verlauf des Tages
  • Kaum Reaktion auf Diät oder sportliche Aktivität
  • Erhöhte Neigung zu Blutergüssen bei kleinen Stößen

Viele Betroffene erleben ein Gefühl von Schwere oder Erschöpfung der Beine, das sich im Laufe des Tages verschlimmert. Anders als bei rein kosmetisch bedingtem Fettaufbau sind diese Beschwerden charakteristisch für ein Lipödem.

 

Diagnose – wie wird ein Lipödem festgestellt?

Die sichere Diagnose eines Lipödems kann nur durch ärztliche Fachpersonen erfolgen, die Erfahrung mit der Erkrankung haben. Dazu gehören zum Beispiel Spezialist:innen aus der Angiologie (Gefäßmedizin), Dermatologie, Phlebologie (Venenheilkunde), Inneren Medizin oder auch aus der Plastischen Chirurgie.

Der Diagnoseprozess beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über deine Beschwerden und eine körperliche Untersuchung. Dabei werden Fettverteilung, Schwellungstendenzen und Schmerzverhalten beurteilt. Ziel ist es, ein Lipödem von anderen Ursachen wie einem Lymphödem oder einer reinen Adipositas zu unterscheiden. Oft werden klassische klinische Kriterien kombiniert, um eine verlässliche Grundlage für die weitere Planung zu schaffen.

In manchen Fällen unterstützen auch digitale fachärztliche Einschätzungen oder ein schriftlicher ärztlicher Bericht den Diagnoseprozess, zum Beispiel wenn lange Wartezeiten auf Facharzttermine bestehen. Diese Dokumente können hilfreich sein, wenn es später um Therapieplanung oder Kostenfragen geht.

 

Konservative Therapie – erste Schritte

In den meisten Fällen beginnt die Behandlung eines Lipödems mit konservativen Ansätzen, die darauf abzielen, Beschwerden zu lindern und den Alltag zu erleichtern. Dazu gehören in der Regel:

  • Kompressionstherapie mit passenden Flachstrick‑Kompressionsstrümpfen oder ‑bekleidung
  • Manuelle Lymphdrainage, um den Flüssigkeitsaustausch im Gewebe zu verbessern
  • Gezielte Bewegungstherapie, etwa Schwimmen, Gehen oder spezielle physiotherapeutische Übungen
  • Ernährungs‑ und Bewegungsberatung, um das allgemeine Wohlbefinden zu fördern

Diese Maßnahmen können helfen, Schmerzen und Schwellungen zu reduzieren, die Mobilität zu verbessern und das Fortschreiten der Beschwerden zu verlangsamen. Dennoch wirken diese Therapien meist nur symptomatisch und beeinflussen die zugrundeliegende Fettverteilungsstörung nur begrenzt.

 

Operative Therapie – Fettabsaugung (Liposuktion)

Wenn konservative Maßnahmen trotz guter Anwendung keine ausreichende Linderung bringen und die Beschwerden den Alltag deutlich einschränken, kann eine Fettabsaugung (Liposuktion) eine wirksame Behandlungsoption sein. Bei diesem chirurgischen Verfahren wird das krankhaft veränderte Fettgewebe gezielt entfernt, am häufigsten an den Oberschenkeln, Unterschenkeln oder Armen.

Eine Liposuktion kann nicht nur die Fettmengen reduzieren, sondern auch Schmerzen lindern, Schwellungen verringern und die Beweglichkeit verbessern. Die Operation wird heute in spezialisierten Zentren mit modernen Techniken durchgeführt und mit einer strukturierten Nachsorge begleitet, um langfristige Ergebnisse und eine schnellere Erholung zu unterstützen.

 

Neue gesetzliche Regelung: Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Für viele Betroffene gibt es eine wichtige rechtliche Neuerung: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G‑BA) hat im Sommer 2025 beschlossen, dass die Liposuktion zur Behandlung von Lipödem grundsätzlich in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird. Das bedeutet, dass dieser operative Eingriff künftig nicht mehr nur in sehr schweren Fällen, sondern grundsätzlich als Leistung vorgesehen ist, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden.

Damit diese Entscheidung praktisch umgesetzt werden kann, müssen noch einige formale Schritte abgeschlossen werden – wie die Festlegung der Abrechnungsziffern im einheitlichen Bewertungssystem für Arztleistungen. Es wird erwartet, dass diese Anpassungen bis zum Jahreswechsel 2025/2026 abgeschlossen sind, sodass die Liposuktion für Betroffene als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen verfügbar ist.

 

Voraussetzungen für die Übernahme der Kosten

Auch wenn die Liposuktion künftig grundsätzlich anerkannt wird, müssen bestimmte medizinische und formale Kriterien erfüllt sein, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt:

  • Eine gesicherte Diagnose durch qualifizierte Ärzt:innen muss vorliegen.
  • Es muss in der Regel eine mindestens sechsmonatige konservative Therapie erfolgt sein, die keine ausreichende Beschwerdelinderung gebracht hat.
  • Gewichtsstabilität im Zeitraum vor der Operation ist ein Kriterium.
  • Je nach Körpergewicht (BMI‑Bereich) kann es zusätzliche Bedingungen geben, z. B. ergänzende Beurteilungen weiterer Körperkennzahlen oder eine begleitende Behandlung anderer Gesundheitsfaktoren.

Diese Voraussetzungen dienen dazu, sicherzustellen, dass der Eingriff dort eingesetzt wird, wo es medizinisch sinnvoll ist und konservative Maßnahmen ausgeschöpft wurden.

 

Wie weiß ich, ob ich ein Lipödem habe?

Viele Betroffene stellen sich die Frage: „Ist das nur Fett – oder ist es ein Lipödem?“ Folgende Hinweise können ein Lipödem vermuten lassen:

  • Symmetrisch verteilte, druckempfindliche Fettpolster an Beinen und/oder Armen
  • Starkes Schwere‑ oder Spannungsgefühl, das sich im Tagesverlauf verstärkt
  • Vermehrte Blutergussneigung ohne offensichtliche Ursache
  • Kaum Reaktion auf Ernährung oder Sport

 

Eine fachärztliche Untersuchung bleibt der zuverlässigste Weg, um eine Lipödem‑Diagnose zu sichern. Spezialist:innen prüfen dabei das Fettverteilungsmuster, Schmerzverhalten und schließen andere Ursachen aus. Es kann sinnvoll sein, bei Unsicherheiten eine Zweitmeinung einzuholen.

 

Fazit – früh erkennen, kompetent versorgen

Ein Lipödem kann sowohl körperliche als auch psychische Belastungen mit sich bringen und sollte daher frühzeitig diagnostiziert und kompetent behandelt werden. Konservative Maßnahmen helfen oft, Symptome zu lindern, erreichen aber meist keine vollständige Besserung. Die operative Fettabsaugung kann deutlich wirksamer sein, wenn vorherige Therapieversuche nicht ausreichend geholfen haben.

Die neu beschlossene Aufnahme der Liposuktion als Krankenkassenleistung ab 2026 schafft einen wichtigen Rahmen, um vielen Betroffenen einen leichteren und geregelten Zugang zu einer anerkannten Therapie zu ermöglichen, sofern die dafür vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt werden.

Wenn du den Verdacht hast, dass du ein Lipödem hast oder deine bisherigen Beschwerden nicht erklärt werden können, beginnt der Weg zur Verbesserung mit einer individuellen ärztlichen Beratung und Diagnose – dabei unterstützen wir dich gerne.

 

Die wichtigste Meinung für eine Entscheidung ist die eigene.
Verschaffen sie sich bei einem persönlichen Beratungsgespräch selbst einen
Eindruck, denn es ist ihre Zufriedenheit, die zählt.

HydraFacial Logo
DGPRAC Logo
DAF Logo
fraxel Logo
DGH Logo
GFI Logo